Mike’s Canada Adventures

Hallo, mein Name ist Michael Goderbauer und ich habe das Schuljahr 2004/2005 in Kanada verbracht. Schon Anfang der 9. Klasse entstand bei mir die Idee, für ein Jahr ins Ausland zu gehen und so habe ich angefangen im Internet und in diversen Büchern viel über das Thema zu lesen. Meine Begeisterung wuchs und wuchs und so habe ich mich für das Kanada-Programm der Organisation „Eurovacances“ angemeldet. Warum Kanada? Die USA war mir zu der Zeit politisch nicht ganz geheuer und ich finde, dass Kanada einfach ein beeindruckendes Land ist. Wo sonst leben auf einer Fläche, die 30-mal so groß ist wie Deutschland, gerade mal 31 Millionen Menschen unterschiedlichster Herkunft zusammen? (Deutschland: 83 Mio.)
Die Vorbereitung durch Eurovacances hat mir sehr gut gefallen. Es gab ein regionales Vorbereitungstreffen und ein bundesweites Vorbereitungsseminar in einer Göttinger Jugendherberge. Auf dieser 3-tägigen Veranstaltung habe ich die anderen Kanadafahrer kennen gelernt. Zusammen hatten wir viel Spaß und wurden umfassend über unser „Abenteuer Kanada“ informiert sowie auf eventuelle Problemsituationen vorbereitet. Mit diesem Wissen konnte es endlich losgehen.


Der Abschied
Am 27. August 2005 stand ich dann mit voll gepackten Koffern und einem mulmigen Gefühl am Flughafen Münster-Osnabrück. Was hatte ich mir da Großes vorgenommen! Als ich mich von meinen Eltern verabschiedete und durch die Sicherheitskontrollen entschwand, schien das vor mir liegende Jahr auf einmal so lang. Mit diesem Gefühl stieg ich in Münster ins Flugzeug. Doch als ich in Frankfurt meine Freunde und Kanada-Mitfahrer aus Göttingen wieder traf, ließ ich mich von deren Vorfreude auf das Unbekannte anstecken. Zusammen mit ihnen passierte ich endlose Sicherheits- und Zollkontrollen, bis wir dann endlich im Flug LH470 mit dem Ziel Toronto/Kanada saßen.


Endlich in Kanada…
Dass ich in Kanada angekommen war, merkte ich sofort am Flughafen in Toronto. Alles war größer und wirkte gelassener als noch in Frankfurt – und auf einmal sprach alles um mich herum Englisch!
Zunächst einmal mussten wir Austauschschüler ein Visum besorgen. Dazu blickte uns ein uniformierter Beamter Kanadas tief in die Augen, bevor er uns einen Stempel in den Reisepass drückte. Noch schnell das Gepäck abholen, den Zoll passieren und wir wurden in die Arme der kanadischen Partner-Austauschorganisation „Nacel“ entlassen. Die führte uns sogleich in ein Marriott-Hotel****, wo wir nach dem langen Transatlantikflug müde ins Bett fielen. Am nächsten Tag stand ein erlebnisreiches Sightseeing-Programm durch das sommerlich heiße Toronto auf dem Plan. Es ging zu den weltweit bekannten Niagara-Fällen, die wir auf einem Boot von nächster Nähe aus sahen, wobei wir klitschnass wurden. Nach einem kleinen Snack im Hard Rock Café Toronto brachte uns der Bus zum CN-Tower. Von diesem 553,33m hohen Fernsehturm hatten wir einen atemberaubenden Blick über die Millionen-Metropole Toronto.
Die drei Tage in Toronto habe ich sehr genossen. Man war zwar schon in fremder Umgebung, hatte aber durch die anderen deutschen Austauschschüler immer noch das Bekannte um sich herum. Am nächsten Tag machte sich jeder von uns in einem anderen Flug auf zu seiner Gastfamilie in den unterschiedlichsten Ecken Kanadas. Mich hatte es nach Saskatchewan genau in die Mitte des Landes verschlagen.


Niagara Falls

Meine Gastfamilie und mein neues Zuhause
Meinen ersten Tag in Saskatchewan werde ich wohl nie vergessen. Ich betrat die Vorhalle des kleinen Flughafens von Saskatoon und vor mir stand ein ganzer Pulk aus Kanadiern, die alle irgendwelche Leute erwarteten – darunter auch meine Gasteltern. Ich hatte diese zwar schon zuvor auf Bildern gesehen, trotzdem wusste ich nicht, wonach ich Ausschau halten sollte, bis dann eine Stimme von links „Mikle?“ rief.
Meine Gasteltern Brian und Karen Crawley waren mir von Anfang an sympathisch. Auf der etwa zweistündigen Autofahrt zu ihrem Haus haben wir viel über Kanada, Deutschland, meine „neue“ Familie, meine „alte“ Familie und über Schule geredet. Meine Gastmutter Karen unterrichtet an einer Grundschule und mein Gastvater Brian ist als Lehrer für Mathematik, Chemie und Psychologie an derselben High School tätig, an der ich auch mein kanadisches Schuljahr verbracht habe.
Am Crawley-House angekommen habe ich mich sofort in meinem eigenen Zimmer schlafen gelegt. Es war schließlich schon ein Uhr nachts und am nächsten Tag sollte ja schon die Schule beginnen.
Am nächsten Morgen habe ich beim Frühstücken auch meine beiden Gastbrüder Alex und Kian kennen gelernt. Beide machten auf mich einen überaus netten Eindruck und ich habe mich mit ihnen auch das ganze Jahr über super verstanden. Alex ist der ältere und ging damals in die 11. Klasse. Seine großen Leidenschaften sind das Joggen (im Sommer) und der Biathlon-Sport (im Winter). Kian besuchte die 9. Klasse und ihm geht nichts über sein heiß geliebtes Eishockey. Dass die Hockey-Spieler genau in dem Jahr, in dem ich da war, strikten („Lock-Out“), hat ihm da natürlich ganz und gar nicht gepasst. Wenn ich schon den weiten Weg nach Kanada komme, dann müsste ich doch auch ein echt kanadisches NHL-Hockeyspiel miterleben, um den wahren Geist Kanadas zu erfassen, meinte er.


Meine Gastfamilie

Der Erste Schultag
Nach dem typisch kanadischen Frühstück (Cornflakes und Toastbrot mit Peanut-Butter) holte der gelbe Schulbus uns drei Jungen vom Crawley-House ab. Zu meiner Überraschung war dieser Schulbus wirklich genau so gelb, wie man es von den amerikanischen Filmen her kennt. Dieser Bus brachte uns pünktlich zum Schulstart um 9 Uhr ins 30 Minuten entfernte Medstead.
Die Medsetad Central School ist eher klein. Das Schulzentrum umfasste nur 180 Schüler – und zwar vom Kindergarten bis zur 12. Klasse. Die einzelnen Klassen waren also eher klein und für mich war dies gegenüber meiner knapp 1400 Schüler umfassenden deutschen Schule eine Umstellung. Zwischen Lehrern und Schülern lief alles sehr persönlich ab und man kannte sich unter den Schülern. Letzteres kam auch mir zugute, denn so konnte ich schnell Anschluss finden. Der Schulleiter Mr. Schneider hatte mich gleich am ersten Tag vor der versammelten Schülerschaft als „Mike from Germany“ vorgestellt. So war ich gleich an der ganzen Schule ein Begriff und alle haben mich von da an nur noch „Mike“ genannt. Als Begrüßungsgag hat mir Mr. Schneider, der immer zu einem Scherz aufgelegt ist, gleich eine kleine Kanada-Fahne überreicht.
Eingeschult wurde ich zunächst in die 11. Klasse. Hier habe ich auch recht schnell neue Freunde gefunden. Die Schule hatte schon lange keinen Austauschschüler mehr gehabt und jeder wollte irgendetwas über Deutschland wissen. Am meisten beeindruckt hat die Kanadier wohl die deutsche Autobahn. Kann man da wirklich so schnell fahren, wie man will, fragten sie mich immer wieder ungläubig. Wenn ich das bejahte, stellten sie häufig nüchtern fest, dass dann in Deutschland wohl jeder einen Porsche fahren müsse. Der Porsche galt dort als Traumauto vieler meiner Mitschüler.
Mit der englischen Sprache hatte ich von Beginn an wenig Probleme. Zwar haben die Kanadier eine etwas andere Aussprache, als die, die ich im deutschen Englischunterricht gelernt hatte, trotzdem konnte ich mich immer ohne Probleme in Englisch verständigen. Nach ein, zwei Monaten war ich sogar so weit, dass ich nur noch in Englisch dachte. Das hat vor allem meine deutsche Familie gemerkt, wenn ich mit ihnen telefoniert habe. Die englischen Begriffe fielen mir dann schon mal schneller ein als die deutschen und häufig gebrauchte Wörter wie „Ja“ oder „Nein“ kamen reflexartig nur noch als „Yes“ und „No“ aus meinem Munde. Das war schon komisch, als ich meine eigene Muttersprache nicht mehr flüssig sprechen konnte.
Auch schulisch bin ich in Kanada gut mitgekommen. Der Unterricht verlangte viel selbstständiges Arbeiten und hat mir richtig Spaß gemacht. Es blieb immer Zeit für einen kleinen Scherz am Rande oder der Schulleiter kam auch mal gerne in den Unterricht und gab seinen neusten Lieblingswitz zum Besten. Alle Schüler hielten immer zusammen und setzten sich für ihre Schule ein. Der kanadische „School-Spirit“ ist einfach unbeschreiblich.


Meine Umgebung
Mein Gastvater hatte am Anfang – wie er mir später sagte – Angst, dass ich gleich nach dem ersten Tag wieder abreisen würde und zurück nach Deutschland wollte. Das war natürlich überhaupt nicht der Fall. Aber meine Gastfamilie lebt dort schon recht einsam. Um zum Haus meiner Gastfamilie zu gelangen, musste man, nachdem man von der letzten geteerten Straße abbog, noch 30 Minuten auf einer so genannten „Gravel-Road“ (=unbefestigte Schotterstraße) fahren. Mein neues Heimat-„Dorf“ Sandwith zählte grob geschätzt fünf Häuser und sonst war da nichts als Felder, Wiesen und Felder. Post gab es nur zweimal die Woche. Alles war flach und man konnte Kilometer weit schauen. Auch die Straßen gingen nur geradeaus. Wenn sich dann doch mal eine Kurve anbahnte, wurde man mit einem großen Schild „Achtung Kurve“ vorher gewarnt. Dafür war die Natur aber umso traumhafter. Die Wiesen wurden immer wieder von glasklaren Seen unterbrochen, die so zahlreich sind, dass viele noch gar keinen Namen haben. Im frühen Herbst bot sich mir sogar die Gelegenheit, das Polarlicht (oder „Northern Lights“, wie die Kanadier sagen) zu beobachten. Dieses Spektakel am sternenklaren Nachthimmel ist einfach atemberaubend. Rote, gelbe und grüne Lichtbänder ziehen leuchtend und ständig die Farbe wechselnd über den Himmel. Ich weiß gar nicht, wie ich es weiter beschreiben soll. Man muss es einfach gesehen haben.
Dazu gibt es die kanadische Tierwelt. Einen Bären oder Elch habe ich leider (oder Gott sei Dank?) nicht gesehen. Dafür hat mich mein Gastvater sofort den ortsansässigen Stinktieren vorgestellt. Diese stinken wirklich bestialisch.
So einsam wie die Leute dort in Kanada auch wohnen, so freundlich sind sie. Ganz ehrlich, so eine Gastfreundlichkeit wie in Kanada habe ich sonst noch nirgendwo erlebt. Das fing schon mit meiner Gastfamilie an, die mich als 3. Sohn mit Rechten und Pflichten integrierte. Sie haben mich mit offenen Armen empfangen und immer unterstützt. Auch anderswo wurde ich immer freundlich als „the German“ angesprochen und habe mich dann gut mit den Leuten unterhalten, die dann häufig zu guten Freunden wurden.


Mein Zuhause für ein Jahr

Nach der Schule
Vom Prinzip her ist die Schule in Kanada eine Ganstagsschule. Der Schultag beginnt morgens um 9 Uhr mit der ersten Stunde. Nach drei Unterrichtsstunden á 50 Minuten am Vormittag gibt es dann die einstündige Mittagspause. Während dieser Zeit isst man sein mitgebrachtes Lunch, kauft etwas zu essen in der Kantine, unterhält sich mit Freunden und macht Späße. Man kann auch das 1A ausgestattete Computer-Labor benutzen oder sich in die schuleigene Bücherei mit einem Buch zurückziehen. Langweilig wird es da nie und Spaß macht es auf jeden Fall immer. Am Nachmittag gibt es nochmals drei Stunden Unterricht bis um 3 Uhr. Um diese Zeit ist der Unterricht zwar zu Ende, aber die Schule ist noch lange nicht aus. Für viele geht’s jetzt erst richtig los. Selbst meine recht kleine Schule bietet nachmittags unzählige Sport-Clubs und sonstige AGs an. Ich selbst habe im Volleyball-Team mitgespielt. Ich war zwar nicht wirklich gut, aber Gewinnen steht in Kanada nicht an erster Stelle. Es ist das Team und der „School-Spirit“, was zählt – und so waren wir ein super Team und hatten viel Spaß. An Wochenenden sind wir mit unserem Team von Schule zu Schule gezogen, haben gespielt und in einigen Klassenräumen fremder Schulen übernachtet. Auf diese Weise habe ich viel von der Provinz Saskatchewan gesehen und es wurde nie langweilig. Zusammen als Team hatten wir einfach immer eine gute Zeit und am Ende haben wir sogar unsere Liga gewonnen…


Mein Volleyball-Team

Der lange Winter
Kanada hat im Allgemeinen recht ausgeprägte Jahreszeiten. Das sollte auch ich zu spüren bekommen.
Als Mitte Oktober der erste Schnee fiel und dem West-Europäer Mike allmählich kühler wurde, fanden das die Kanadier, die noch kurzärmelig herumliefen, recht lustig. Als ich dann auch noch meine Pudelmütze aufsetzte, konnte sich Mr. Schneider, mein Schulleiter, der jeden Morgen die Schüler am Schuleingang begrüßte, ein Lächeln nicht verkneifen. Es sei doch erst -5°C kalt und es werde, so versicherte er mir, garantiert noch kälter. Wie Recht er behalten sollte.
Zeitsprung: Mitte Januar. Das Thermometer zeigt -45°C (minus fünfundvierzig Grad Celsius). Nun ist es mir endgültig zu kalt – den Kanadiern aber auch. -30°C, -35°C und auch -40°C sind noch okay für den Durchschnittskanadier. Aber bei -45°C geht nichts mehr. Die Schulbusse springen nicht mehr an: zwei Tage schulfrei. Bei -40°C geht’s dann wieder weiter. So als wäre nichts passiert. Der Schnee liegt trotzdem meterhoch.
So viel Schnee, Eis und Kälte haben aber auch Vorteile. Ich hatte die Chance so viele neue Sachen zu machen, die hier in Deutschland schwierig, wenn nicht unmöglich sind. So war ich zum Beispiel Mitglied eines Curling-Teams. Curling ist der Sport, bei dem man „Teekessel“ über das Eis kickt und dann das Eis auch noch mit einem Besen fegt. Hört sich verrückt an, kann aber durchaus Spaß machen – wenn man mit den richtigen Leuten spielt. Außerdem hatte ich die Chance, Schlittschuh zu laufen und Ski zu fahren. Getoppt werden konnte das alles nur noch von der Schneehaus-Aktion meiner Klasse. Zusammen haben wir im Sportunterricht riesige Häuser aus Schnee, also so etwas wie Iglus, gebaut. Der Sportlehrer stellte dazu die Verpflegung (Cola und Kuchen).
Aber das wirklich Allerbeste am kanadischen Winter sind immer noch die Snowmobile. Wenn man sich nach der Schule, am Wochenende oder in den Weihnachtsferien mit Freunden trifft, sich auf so ein Gefährt setzt, Vollgas gibt und durch die schneebedeckte Landschaft um die Wette saust, dann ist das einfach nur genial. Diese Snowmobile fahren verdammt schnell. 100km/h sind da keine Seltenheit. Aber auf den schneebedeckten Feldern steht ja auch nichts im Weg. Kein Baum, kein Fels – da kann man schon mal so richtig Gas geben und sich den (zugegebenermaßen recht kalten) Wind um die Nase wehen lassen…
Der Schnee schmolz den ganzen Winter über nicht. Von Mitte Oktober bis April war es nur eine einzige weiße Decke. Weiße Weihnacht ist da keine Wunschvorstellung, sondern Realität – jedes Jahr garantiert.


Auf dem Snowmobile unterwegs...

12. Klasse, Abschied & Wiedersehen
Nach den Weihnachtsferien war die Hälfte meines Jahres schon herum und auf einmal ging alles so schnell. Mein Abflugtermin im Sommer rückte unaufhaltsam näher…
Zunächst einmal steckte mich der Schulleiter Mr. Schneider jedoch für das 2. Halbjahr in die 12. Klasse. Das machte mir wenig aus, denn auch hier kannte ich schon viele Leute. Allerdings waren meine Mitschüler schon eifrig dabei, ihre Zukunft zu planen. Für sie war dies nämlich ihr allerletztes Schuljahr. Viele meiner Freunde hatten sich schon bei Universitäten und Hochschulen angemeldet und auch ich wäre gerne mitgegangen. Aber ich hatte ja noch ein wenig Schulzeit in Deutschland vor mir.
Trotzdem hatte ich eine verdammt gute Zeit und im Frühling habe ich die Quads meiner Freunde für mich entdeckt. Ein Quad ist mehr oder weniger ein Snowmobile, nur eben mit Rädern statt Kufen. Aber man kann auf ihnen genauso gut durch die Gegend sausen wie mit einem Snowmobile, und bei den großen Entfernungen sind sie in Kanada das Transportmittel Nummer eins für junge Leute.

Das Schuljahr näherte sich, wie gesagt, mit großen Schritten dem Ende zu. Bald standen die zentralen Abschlussprüfungen in Mathe, Physik und Englisch an. Auch diese waren mit entsprechender Vorbereitung zu schaffen und „der größte Tag im Leben eines kanadischen High School-Schülers“ (so Mr. Schneider) rückte immer näher: „Grad-Day“ oder auch „Graduation“. Dieses ist der allerletzte Schultag der 12. Klasse und ein großes Fest. Jeder Schüler muss sich rausputzen und auch mein Gastvater Brian nahm mich mit zu seinem Herrenausstatter, damit ich mir ein schickes Hemd und eine elegante Hose anschaffen konnte.
Am Grad-Day waren dann alle ausstaffiert in langen Kleidern und dunklen Anzügen. Zunächst gab es einen gemeinsamen Gottesdienst mit anschließendem Mittagsessen in der Dorfhalle. Weiter ging es in der Turnhalle mit der zweieinhalb Stunden dauernden Grad-Ceremony. Hier wurden Dankesreden von Schülern, Eltern und Lehrern gehalten, Geldpreise für akademische, sportliche und soziale Leistungen verliehen und als Höhepunkt überreichte Mr. Schneider die High School Diploma an die Schüler. Auch ich hatte als Mitglied der 12. Klasse meinen kleinen Auftritt. Zwar durfte ich selber nicht graduieren, habe aber dennoch eine Urkunde überreicht bekommen und anschließend eine kleine Rede gehalten. Insgesamt war es einfach ein tolles Fest.


Mike mit Grad-Abschiedsgeschenk

Der letzte Höhepunkt in meinem Austauschjahr war „July 1st: Canada-Day“. Dies ist der nationale Feiertag in Kanada und alle sind auf den Beinen. In Medstead gibt es eine riesige Straßen-Party. Von überall her kommen Leute und da in diesem Jahr auch noch das 100jährige Jubiläum der Provinz Saskatchewan gefeiert wurde, war das Fest natürlich umso größer. Es gab ein „Demolishen Car Derby“, Baseball, Essen & Trinken, Musik, usw. Ich habe diesen Tag noch einmal richtig genossen. Zum vorerst letzten Mal war ich mit meinen kanadischen Freunden zusammen. Ich habe die Zeit genutzt, mich schweren Herzens von ihnen zu verabschieden und sie alle nach Deutschland eingeladen. Ich hoffe, dass einige kommen werden!
Am Abend gab es dann zum Abschluss noch ein wirklich außerordentlich riesiges Feuerwerk und mein Abenteuer neigte sich dem Ende entgegen. Einige Tage später kamen meine Eltern und mein Bruder in Saskatoon am Flughafen an und für mich wurde es noch einmal schwierig. Ich musste mich nun auch von meiner Gastfamilie, den Crawleys, trennen. Nachdem ich mich bei ihnen so wohl gefühlt hatte, fiel mir dies sehr schwer. Hoffentlich werde ich sie eines Tages wiedersehen…
Zusammen mit meiner „richtigen“ Familie habe ich dann noch eine wunderschöne Reise durch den Westen Kanadas gemacht: Edmonton, Calgary mit dem alljährlichen Stampede-Festival, die Nationalparks Banff und Jasper, die Rocky Mountains, Vancouver Island und Vancouver – Kanada ist landschaftlich und kulturell so vielfältig, es hat einfach ungeheuer viel zu bieten. Nach erlebnisreichen drei Wochen führte mich die Reise über Toronto und Frankfurt wieder nach Münster-Osnabrück zum Ausgangspunkt meiner Reise zurück.
 

Goodbye Canada. Hello Deutschland.


Fazit
Was für ein tolles Jahr! Ich habe so viele neue Erfahrungen gemacht, soviel neue Leute getroffen, dass gar nicht alles in diesen (doch schon recht langen) Text passt. Ich kann ein Jahr im Ausland (sei es nun Kanada, die USA oder sonst ein Ort auf der Welt) nur empfehlen. Ich habe mich einfach verändert, bin weltoffener und selbstbewusster geworden. Wenn ich noch einmal die Wahl hätte, ich würde mich sofort ins Flugzeug setzen. Am liebsten würde ich sogar gleich morgen wieder losfliegen. Es hat mir einfach super gefallen und ich hoffe, dass ich all die Leute aus Kanada eines Tages wieder treffen werde!

Viele Grüße,
Michael Goderbauer


PS: Falls noch Fragen zu Kanada im Besonderen oder zum Schüleraustausch im Allgemeinen bestehen, beantworte ich diese gerne per E-Mail: canada@m-goderbauer.de. Ich freue mich immer über Post!